Douniah & High John luden zum Debüt-Release ins kuschelige Turmzimmer im Bunker*. Und es knistert von Anfang an.

Was die ersten, vorab veröffentlichten Tunes andeuteten, wird heute Abend veredelt. Das liegt nicht nur an der Ergänzung durch Putcha Kuti (?) am Saxofon, sondern vor allem an der Präsenz von Douniah. Ein Blick in die leuchtenden Augen der jungen, hauptsächlich weiblichen Freunde (von Fans zu sprechen, wird der Verbindung zwischen Publikum und der Bühne nicht gerecht), zeigt die Erwartung, Begeisterung und Spannung:  Hier kommt eine von uns, eine, die unsere Gefühle und Gedanken ausdrücken kann. Kein Wunder: Auch wenn Douniah mittlerweile in Berlin lebt, ihre Hood und Posse (die "Bande") hat sie weiterhin in Barmbek-Süd.

Heimspiel für Poetin und Beatmaker

Auf der Bühne gibt es eine Stunde existenziellen R&B, über Reflektionen, Gedanken und Emotionen mit Referenzen auf Erykah Badu oder Georgia Anne Mouldrow im Vortrag, G-Funk im Text oder Peter Tosh an der Wand in dem Video-Loop im Hintergrund. Dabei ist Douniah keine klassische Soul Sängerin oder Rapperin. Sie ist Jazz Poetin mit Afrika-Amulett, eine Stimme der nächsten Musik-Generation und auf der Bühne manchmal auch Therapeutin. Daher gibt es heute von Douniah & High John keine R&B-Radio-Hits. Zu nah sind die einzelnen Songs noch am Freestyle, sind die Tunes eher vertonte, spirituelle Gedichte und musikalische Skizzen. Das ist keine trotzige Verweigerungshaltung, sondern erstes Stadium einer gemeinsamen Entwicklung mit High John. Er droppt heute Abend im Hintergrund die Beats und mischt live an den Patterns am Roland SP 404 SX-Sampler. Wenn es später eingängigere Melodien geben sollte, dann nach ihren eigenen Regeln, nicht nach den alten von aussterbenden Radiosendern und großen Plattenfirmen.

Heute Abend sind sie erst einmal berauscht vom der ersten eigenen Release und der Reaktion aus der Fankurve des Quasi-Heimspiels. Damit haben sie in knapp 1,5 Jahren schon ein großes Stück hinter sich gebracht. Nach erstem Kennenlernen gleich ein einstündiges Freestyle-Set auf der St. Pauli-Kreativnacht im Sommer 2018 - jetzt ihr Debüt-Album auf Melting Pot. 

* der künftig auch ein Hotel beinhaltet - mal sehen, welche Auswirkungen das für die ansässigen Spielstätten hat.

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