Girl Ray - die zweite Tour der englischen Band kommt mit neuem Sound und Look. Vielleicht passen sie deshalb diesmal besser ins Aalhaus? Zumindest für das Publikum ist das ein großer Gewinn.

Girl Ray live

Karaoke mit sich selbst

Vanity Fairy

Vanity Fairy

Aber zunächst drängelt sich eine einzelne Person auf die Bühne und schmeißt ihre Box an. Vanity Fairy bestreitet den Support mit programmiertem Synthie-Pop und ätherischer Kate Bush-Stimme. Doch was auf dem Papier zunächst mäßig interessant dräut, ist auf der Bühne überzeugend. Die Mischung aus Charme, Verkleidung und Performance entwaffnet selbst zynische Hörer und öffnet Gehörgänge. Auch die Form ist bewusst gewählt:

"Eigentlich coverst Du Dich selbst bei jedem Auftritt, da Du dem ursprünglichen Moment der Inspiration nachjagst, als Du die Idee für den Song gehabt hast. Also schien es ein interessanter Ansatz zu sein, diesen Widerspruch zu verdeutlichen, in dem ich eigentlich eine Coverversion meiner eigenen Songs spiele, jedes Mal, wenn ich auftrete."

 

Vanity Fairy - He Can Be Your Lady

Am Ende ist jeder gepackt und Daisy Capri - nach Daisy Victoria ihr aktuelles Alter Ego - verteilt im Anschluss ihre auf Spielkarten gedruckte Visitenkarte. Auch Abseits des Bühnenspektakels: Das sind richtig gute Songs. Wir brauchen neue Hits - und Vanity Fairy könnte einige davon schreiben.

Zweiter Aufschlag - andere Liga

Girl Ray im Oktober 2017 im Hafenklang

Girl Ray im Oktober 2017 im Hafenklang

Girl Ray haben vor zweieinhalb Jahren ihr Debut-Album "Earl Grey" mit der Mini-Hitsingle "Trouble" im Golden Salon überm Hafenklang vorgestellt. Die Entwicklung seit damals, als sie noch als Indie-Band unterwegs waren, ist enorm. Aus ersten Gehversuchen, entwickelten sie jetzt einen eigenständigen Sound, der sich neben der eigenen Vergangenheit aus 80er Elektronic und Dream Pop gleichermaßen bedient. Da gibt es Disco-Bassläufe und rhythmische Synthie-Themen ebenso wie Tempiwechsel und zweistimmige Vocals. Und es bleibt nicht bei einem tollen Sound, sondern es werden richtige Songs daraus geschöpft. Auch das Debut "Trouble" wird bei Zugabe zum Dancefloor-Shuckler.

Quantitativ ist daher die heutige Bühne eigentlich viel zu klein. Girl Ray hätten schon jetzt ein größeres Publikum verdient, Doch die 40 Leute, die sich vor der Bühne tummelten, hat das keinen gestört - im Gegenteil. Und so schnackten Publikum, Band und Vorprogramm noch lange vorm Tresen im Aalhaus. Auch, weil diese Kneipe dafür genau richtig ist. Doch so nah wird man Girl Ray aller wahrscheinlich nach nie wieder kommen - das wäre gleichzeitig zu bedauern und zu hoffen.