Hamburgensie #1: Jimi Hendrix vor einer Villa in Harvestehude, Sonny & Cher vorm Atlantic, The Clash live in der Markthalle, Udo Lindenberg posiert vor der Großen Freiheit - das sind die Motive, bei denen der gemeine Hanseat seine Heimatstadt als Musik-Metropole wähnt. Auch wenn die Zeit von geeigneten Plätzen und Sendeplätzen fast vorbei ist.

Hamburg Vinyl: Die Wand

Ein musikalischer Trip durch Hamburg zum Blättern

Hamburgensie #2: Boy Divison in der Hanseplatte (Klick)

Die dazugehörigen, die Originalschauplätze und die Geschichten dahinter sammelt das Buch "Hamburg Vinyl" im Junius Verlag. Ausgangspunkt für das Projekt: Bernd Jonkmanns wollte seinem Buch über weltweite Record Stores eine "musikalische" Fortsetzung gönnen, schnackte Steffen Herrmann, Leiter des Junius-Verlags, an und gebar einen charmanten, gebundenen Rückblick auf seine heutige Heimatstadt. Dafür schlich der Fotograf jahrelang frühmorgens auf Flohmärkte und klapperte Second-Hand-Läden ab. Christoph Dallach ließ WLan und Telefon glühen und dokumentierte den Augenblick samt Vorspiel zum jeweiligen Fotomotiv. Am schönsten: Das Hotel Atlantic wollte Sonny & Cher nicht ins Foyer lassen, weil die Dame einen Hosenanzug trug.

Buchvorstellung mit lokaler Prominenz

Am Sonnabend im "Alten Mädchen" wurde das Buch zum ersten Mal vorgestellt und dann folgerichtig an das große Damals erinnert, denn - so Braugasthaus-Leiterin Frederike Wiesner - auch das Bierbrauen sei ja ein "Tradition Challenger". Den Rand im Saal säumten Record Sleeves aus (mindestens) sechs Jahrzehnten. Von

Hamburg Vinyl: Die Täter

Steffen, Bernd und Christoph (v.l.n.r.)

maritimer "Möwe aus Helgoland" zur spröderen Pudel-Compilation, von Star-Club zur Astra Stube, von den Monks zu den Hannes Wader - und ja: die Beatles sind auch dabei. Und auch Prominenz am Bass tauchte auf: z. B. Christoph Bunke, aktiv bei Aufnahmen von Andreas Dorau, Bad News Reunion und Ernest Ranglin sowie Timo Blunck, der mit den Zimmermännern und Palais Schaumburg gleich zweimal im Buch vorkommt. Als Teaser las Christoph drei, vier, fünf Beispiele vor, wobei die Geschichte des legendären Clash-Auftritts im Mai 1980 - inklusive Verhaftung von Joe Strummer - am unterhaltsamsten war. Natürlich gab es auch passende Hörproben vom (etwas hüpfenden) Plattenspieler. Neben bekannten Stars wurde auch Lutz Börner vorgestellt. Und: Der Star des selbstverfassten Kleinods "Hamburg ist toll beim Rock 'n' Roll" ist doch nicht verschollen. Laut seiner Retro-Website kann er unsere "Lieder sogar ins Radio Moskau" bringen!

Christoph Dallach als Scott Walker (optisch)

Mit ein bisschen Arroganz gegenüber dem Pop der "Hamburger Arroganz" (Covergestaltung von Wolfgang Joop) - schließlich zählte heute Abend eher das "Handgemachte" - und einem "wavigen" Set von Ingo Scheel, wurden weitere Exemplare in den exklusiven Jute-Beutel gepackt und ein großer Teil der Auflage wird spätestens zum Jahresausklang unter dem Tannenbaum liegen.

Info: Warum Plattencover aus Hamburg?

Dass Freddy oder das Hamburger Hafenkonzert sich gern mit den Landungsbrücken schmückte liegt nah. Doch die Stars von weit her? Der Vertrieb von Tonträgern war vor Jahrzehnten noch separat: Kam ein internationaler Künstler in die Stadt - für Promo oder Vertragsverhandlungen - rief das Label einen der bekannten Fotografen an und die gingen dann gemeinsam einmal "um die Alster". Denn die Schallplattenveröffentlichungen wurden in jedem Land noch national abgestimmt. Und zumindest auf dem europäischen Festland kamen auch die handlichen Singles in individuellen Fotocovern auf den Markt. Auf der britischen Insel dagegen packte man die 17 cm Scheiben meistens in eine schmucklose generische Hülle mit Label-Aufdruck und großem Loch, um die Veröffentlichungen dann doch unterscheiden zu können.

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