Caro hat es wahr gemacht. Mit Unterstützung von Catharina Boutari veranstaltete die Musicspots-Bloggerin den ersten Abend der neuen "Klangteppich"-Reihe im Logo im Rahmen der Puder Session.. Es geht um akustische Musik in einer Sofalandschaft - ohne Effekte: drei Acts - drei Sets.   

Mehr Quatsch machen - weniger Lernen

Ist es die ausschließliche und unerschütterliche positive Grundstimmung, der bescheidene MeToo-Anspruch oder die mädchenhafte Beliebigkeit, die die Frage aufstellt:

Wer braucht Fräulein Frey? Nein, den jüngsten musikalischen Tag wird sie sicher überleben. Aber ich spüre keine Motivation auf (vor) der Bühne, die mit mir connected. Dafür ist vieles zu brav und vorhersehbar. Was die Texte nicht können, soll durch die Stimme ausgeglichen werden, die klingt, als ob diese in vielen Gesangsstunden trainiert wurde. Doch das gelingt nur bedingt. Insgesamt wirkt das doch zu auswendig gelernt. Und dann kommt zum Schluss der Song "Superhelden" und für ein paar Minuten bekommt man den Eindruck, dass Fräulein Frey auch einmal Ideal gehört hat (oder doch nur Wir sind Helden?). DAS ist Pop. Mehr davon, bitte.

Lamoyante Ansagen für internationale Songs

Huch, Ben Schadow als Solo-Künstler? Den kennen die meisten (also zumindest ich) als vermeintlich stillen Hintergrundmusiker bei Rhonda oder Bernd Begemann. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Heute Abend ist er der Otto Waalkes der Beatles: unterhaltsam, cool und entwaffnend - mit einem kleinen Programm voller echter Songs. Da wechseln sich Melodiebögen ab, sind Singstimme und Harmonie im Dialog - so wie im Pop aus anderen Ländern. Oder anders: Das funzt! Jetzt müsste er nur noch aus seiner Ansage: "Ihr seid noch nicht freundlich genug für meinen Penis" eine Hymne basteln und die Weltkarriere ist perfekt - sort of.

Falsche Poster im Kinderzimmer?

Das Finale bestreitet das Duo Gutbier & Vogeler mit schönen Harmonien. Mehr als einmal spürte man das Potenzial der Stimme von Lisa. Die hat Soul - doch zeigt davon zu wenig. Da geht noch viel viel mehr. Doch auch hier ist die Beschaulichkeit der Texte eher provinziell. Wie Fräulein Frey nutzen die beiden die abgegriffene Metapher "Fliegen" für Irgendwas-mit-Freiheit. Doch was soll aktueller Pop anders können als sich irgendwie auch mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzen? Ob ironisch, albern, absurd oder experimentell - aber die ewig gleiche Pseudo-Innenbesichtigung der jungen Erwachsenenwelt ist laaaaangweilig und würgt die handwerklichen Fähigkeiten in anderen Bereichen ab. Denn die Songs waren musikalisch recht gut. 

Mag auch Ausdruck meines Alters sein, aber: Es muss doch auch heute junge, deutsche Songtexter geben, die weiter gehen (können) als Max Giesinger! (sorry). 

Fazit:

Puder Session bzw. Klangteppich: mehr Sessions, mehr gute Songs, mehr Mut beim Ausprobieren. Das Talent ist da. Und ich das nächste Mal auch wieder.

P.S. Sorry für die Bildqualität