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Eine Metropole wie Hamburg hat unzählige Szenen, Events und Seilschaften. Eine Art offener Geheimbund ist die Szene um die größte kleine Galerie der Stadt. Seit 20 Jahren macht Ralf “Schacke” Krüger jetzt in Kunst – und lud zum Jubiläum alle ein.
Eine Metropole wie Hamburg hat aber leider immer weniger Orte, in denen Kunst und Kultur geschaffen, gezeigt und angeschaut werden kann, die mit dem Hier und Jetzt verbunden ist. Dass die Feier auf Kampnagel stattfinden musste, war daher fast zwingend.

Fuck Dance – let’s Art?

Überhaupt: Was ist das: Kunst? Vieles was heute unter diesem Titel läuft, ist entweder eine weitere Investitionsform – neben Aktien und Immobilien – oder dekorative “Urban Art” – oder gar beides. Und die Räumlichkeiten, in denen das ausgestellt wird, ähneln dann Maklerbüros oder aufgeräumten Wohngemeinschaften im Instagram-Stylee. Egal, ob man in Banksy nun einen Provokateur, Künstler oder Scharlatan sieht: Für das, was im Sog seiner Popularität folgte, müsste er schon ein paar unangenehme Fragen beantworten; bildender Künstler zu werden ist in einigen Kreisen das Äquivalent zur Casting Show auf den Privaten – but i digress.

Circa 1000 Leute folgten der Einladung und tummelten sich in den heiligen Fabrikhallen zwischen Bar, Party, Bühne und Kunstwerk. Denn zur Feierlichkeit haben Simon Hehemann und Stefan Vogel – länger schon für spektakuläre Ausstellungen im Hause Feinkunst bekannt – eine große Installation geschaffen: Während am großen Bügel der eingegipste Mantel des Galeristen und Gegengewicht ihre Runden drehen, füllen Sätze aus Gips Maleracryl ein großes Rund auf dem Boden – wie eine überdimensionierte Schallplatte. Die äußere (Einlauf-) Rille ziert die alte Werner Enke-Wahrheit: “Es wird böse enden”.

Es wird böse enden 1

Seit 20 Jahren treiben Boy Division ihr Unwesen mit Cover-Versionen aus dem großen Fundus des Pop. Immer scheppernd, immer das Original entstellend, immer durchs Megafon. Der Sell-Out ist aber nicht mehr weit: Man hat den Sänger an diesem Abend lächeln sehen – auf der Bühne!

Es wird böse enden 2

20 Jahre Feinkunst KaraokeAuch wenn die Aussage täglich mehr zur Gewissheit wird, blenden wir das für diesen Abend aus. Einige folgen sogar einer urdeutschen Weisheit: “Wir lassen uns das Singen nicht verbieten” und versuchen sich an Karaoke unter der Knute von VJ Waysted. Nun soll man nicht richten, was man selber nicht vermag* und es stand nicht zur Debatte, hier und in diesen Kreisen eine Gesangskarriere zu starten (siehe Casting-Show oben) – nur so viel: Die gewählte Song-Auswahl (George Harrison, Jefferson Airplane, Johnny Cash und Queen) war erschreckend traditionell – dafür die Vorträge unfreiwillig deutlich weniger.

Was am Ende übrig blieb

Die Haare sind grauer, die Bäuche runder und doch feiert hier noch eine Generation, die sich nicht dem Abendprogramm des Fernsehens ergibt. Und Sie sucht immer noch nach Inspiration in Kunst, Literatur und Musik, die länger schmeckt als ein Kaugummi, fordernder ist als ein Songtext von Thees Uhlmann, reflektiver als Frank Plasberg und tanzbarer als Ed Sheeran. Das wird auch immer so weiter gehen. Danke Schacke!