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Sleaford Mods live

Die Sleaford Mods live in Hamburg

Die Queen und David Cameron besuchen Berlin – planen politisch, diplomatisch und visionär das neue Europa ohne ineffiziente Hallodris dafür freier Fahrt für Finanz-, Daten,- und Arbeitsströme. Die Sleaford Mods derweil besuchen zeitgleich Hamburg und versammeln um sich einen Haufen von Leuten, die jetzt schon oder eben künftig in jener Planung nicht mehr dazu gehören (wollen). Und so wenige sind das nicht: Beim dritten Konzert in Hamburg in kurzer Zeit hieß es recht schnell: ausverkauft. Vielleicht auch, weil es im Moment “der heiße Scheiß” ist.

Scooter mit John Cooper-Clarke auf Hartz VI

Biff, Bang Pow – dass bei den Mods keine Gefangenen gemacht werden, ist nicht wirklich neu.  Der Acer-Laptop – kein Mac! – bollert Beats und Bass von “Multiinstrumentalist” Andrew Robert Lindsay Fearn ohne Punkt und Komma raus und dazu bellt Jason Williamson seine harten, deutlichen “Fucks”. Eigentlich sind es ja eher “FOCKS” statt “FACKS”, denn der Herr kommt eindeutig aus dem Vereinigten Königreich – so wie John Cooper Clarke und Mark E. Smith – nicht wie GG Allin. 

All you Zombies – tweet, tweet, tweet

tweetIm Publikum fast 80% Männer – viele weit über 40 in T-Shirts – stolz getragen wie zeitgleich in Berlin Militärabzeichen – mit Auszeichnungen wie “Sham 69″, etc. Und der Pogo ist auch wieder da. Viele der energetischsten ‘Tänzer” stimmen in die Songs mit ein und spüren die Kraft, die “offizielle” Punk-Bands schon längst nicht mehr wecken können. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, warum die Mods so wichtig genommen werden – die Songs sind es sicher nur bedingt – dafür sind sie zu gleichförmig und simple – auch wenn “This is our new Single” seltsam langsam klingt.

Pop und Politik revisited

Es geht um ein deutliches doch unspezifisches “NEIN” gegenüber der mittlerweile europaweiten Verneigung/Aufgabe gegenüber der neoliberalen rechten Sozialdemokratie – von Merkel bis Hollande, von Junker bis Cameron. Um eine Ablehung all der Worthülsen, die einige der Besucher auf zahllosen Kommunikationsseminaren verinnerlicht haben, “Herausforderungen”, “Synergien”,  “Eigenverantwortung” – you name it. Wo ist die Gegenposition, der Mut oder nur der Gedanke daran, auch mal “Njet” sagen zu können. Denn der Rubel muss rollen, heute mehr als gestern – auch wenn die Welt längst nicht mehr wachsen kann. Für all jene, die dabei rausgefallen sind, spüren, bald rauszufallen oder die einfach nicht mehr wollen, sind die Sleaford Mods eine unüberhörbare Alternative zu MileyCyrus-DSDS-VoiceofGermany-BärtigeBadenmitKlampfe-etc-neuestes-Smartphone-Kauf-Dich-glücklich-Schei**e.

pogo_IMG_0219Backlash? What Backlash?

Und selbst wenn in zehn Jahren Williamson aus Geldsorgen eine Revival-Tour starten muss und dann der Ulf, der Moritz und weitere Vampire teils verächtlich, teils ehrfürchtig Blut saugen, um unter ihresgleichen die “Street Cred” aufzubessern – es war ein tolles Konzert einer im Moment wichtigen Combo.