Es ist eigentlich schade, dass eine Band wie diese nach fast 40 Jahren immer noch in kleineren Kaschemmen spielen muss. Eigentlich auch schön, denn so kann man recht nah an die Musiker ran.

Doch während andere sich von Bid, Lester und Andy – als Kerntruppe – beflügeln ließen und dann in Richtung Erfolg abhoben (so nannten Johnny Marr und Morrissey MS als erste Gemeinsamkeit bei erstem Treffen), sind die Engländer zwar weiterhin fleißig aber eben auch relativ unbekannt.

band3Richtige Gründe dafür gibt es eigentlich viele und keine. Denn seit ihrem Start 1978 segelten sie nicht auf einer aktuellen Welle, gehörten aber immer als zurückhaltender Zaungast dazu und dachten und musizierten sich ihren Teil: Ob bei frühem Post-Punk (He’s Frank), poppigerem 80er Auflügen (Jacob’s Ladder) oder versprenkeltem Byrds-Sound. Dazu die eingängigen aber eben nicht primitiven Melodien und “Stream-Of-Consciousness”-Lyrics von Bid. Kurz, eigentlich perfekte Musik für verträumte Abiturienten, die gut altern kann.

Nun also in den Goldenen Salon des Hafenklanges. Schon vor genau einem Jahr waren The Sect zu Gast in Hamburg. Damals noch mit Lester Square (Gitarre) und dem Album “Super Plastic City” im Gepäck, spielten sie in der klitzekleinen Astra-Stube. Das brachte ihnen die Aufmerkamkeit von tapete records, die jetzt ihr neustes Album auf den Markt bringen: “Spaces Everywhere”.

Damals wie heute viele bekannte “Erfahrene” im Publikum, die fast textsicherer sind als Frontman Bid: Er und der “neue” Tastenmann John Paul Moran blättern in ihrem wohlgeordneten DIN A 4 Ringbuch – Bid nach den Texten, der Keyboarder nach den Akkorden.

setlistCharmant ist es trotzdem – und wirkt wie ein Best-Of-Auftritt. Dabei finden vom neuen Album drei, von den beiden jüngeren Vorgängern jeweils ein Track auf die Setlist. Und der Verlust von Ur-Mitglied Lester fällt live kaum auf. Der neue Sound hat dafür jetzt eine “Mod-Jazz Orgel”, so Carsten Friedrich (Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen). Allerdings sieht der Musiker dazu eben eher wie eine weitere Reinkarnation von Jesus aus. Kleine Verspieler werden bemerkt und lächelnd hingenommen. “Wir müssen noch unsere neuen Arrangements finden” sagt Bid später am Merchandise-Stand. Also doch noch eine Konsequenz der Band-Umstellung. Und auf die Verabschiedung bis zum nächsten Jahr, fügt er etwas lakonisch hinzu: “wenn wir genügend Fans haben”.

Das ist natürlich die Krux im heutigen Musikbusiness: Da Bid, Andy, Steven oder John nicht unbedingt halbnackt auf einer Kanonenkugel reiten werden, kann es durchaus auch noch mal 40 Jahre dauern, bis diese Musik in größerem Rahmen wahrgenommen wird. Das wäre ärgerlich – nicht nur für die Band sondern vor allem auch für die bis dahin nicht erreichten Hörer, die die “Symphonie des Grauens” noch nicht kennen.

Dazu noch ein Zitat: “We’re still here- the small group of barbarian swine in our vile canoe, paddling past the expensive wrecks.” (Quelle: Isthismusic.com)

P.S. Von der Vorgruppe “Michael Knight” ist mir hauptsächlich der orginelle Pullunder des Sängers aufgefallen – und der letzte Song “Waves to the Shore”