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Viel Geld – schöner Quatsch

So früh stehen die – zumeist männlichen – Sammler selten auf. Um Punkt 9 Uhr öffnete der Dreh- und Angelpunkt des RSD2016 in Hamburg, Michelle Records, seine Tür. Für England war die Schlange vielleicht eher moderat, für die zurückhaltenden “Huns”, war das aber schon ein Ereignis. Und: ja, es macht Spaß, in den Kisten zu grabbeln. Eine Erinnerung an die Zeit, in der man die neuen Sachen zuerst tatsächlich im Plattenladen gesehen hat bevor die “Fachpresse” oder gar das Radio (hahaha) die neuen Songs gespielt hat.

Tatsächlich sind unter den exklusiven Veröffentlichungen zum RSD aber kaum “neue” Songs. Dafür gibt es neue Best-Of-Compilations (Buzzcocks), farbige Pressungen (Soft Cell), Picture- (Frantic Elevators) und Etched- (Daft Punk) Disks und Re-Issues (Kings of Convenience), Re-Issues (Buena Vista Social Club) und Re-Issues (Status Quo) satt. Das zeigt deutlich, es geht um “alte Schätze” sowie “neu ernannte Klassiker” auf Vinyl, die vor zehn Jahren ignoriert wurden.

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Wenig Geld – schöner Quatsch

Auch in Hamburg gefeiert: Der jährliche Vinyl Feiertag

Für viele der Hamburger Plattenläden ist der Record Store Day eben gerade darum ein Feiertag, weil die HardCore-Sammler ihr Weihnachtsgeld bis April zusammenhalten. Für den zweiten großen Plattengeneralisten Hamburgs, Zardoz, sah das in diesem Jahr anders aus: Anstatt einen großen Teil der Fläche für die RSD-Veröffentlichungen bereit zu halten, wurde einfach eine 10%-Rabatt-Aktion für das bestehende Sortiment gestartet. Auch Slam setzte dieses Jahr auf den Abverkauf des bestehenden Sortiments. Hier gab es sogar 15 %. Die parallele Hijack-Aktion des Riesen “Saturn” sorgte tatsächlich dann auch für Unmut: Obwohl der Laden nicht wirklich für den Independent-Record-Store steht, sprang man auf den fahrenden Zug auf und bot “3 für 2” – also im Optimum 33% Rabatt. Bei den eher geringen Margen bei Vinyl also eine Kampfpreis-Aktion.

Und die persönliche Bilanz? Trotz viel berechtigter Kritik habe ich mich dem Hype nicht verwehrt: Der Besuch vieler Läden ist sozusagen der “Sonnabendspaziergang with Benefits” und großem Hallo. Im Gegenteil: Die Plattentasche war deutlich stärker gefüllt als beabsichtigt. Dazu kamen – sozusagen als Regulation – noch einige Schnäppchen vom Flohmarkt: 5 für 5 Euro gesamt. 

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Ersparnispotential 96,7 %

Tipp zu RSD-Releases: nicht zu viel ausgeben

Und damit auch die Erkenntnis, wie blöde viele Labels den Tag nutzen. Zum Beweis am Record Store Day in Hamburg 2016 das Beispiel Status Quo. Links: Reissue für 29,90 Euro – gesehen um 9:42 Uhr bei Michelle – rechts: dieselbe Platte in deutscher Originalpressung für 1 Euro – gesehen um 11:29 Uhr auf der Flohschanze. “And I like it, I like it, I like It, I li-li-like it” ? – surely not.

Darum auch ein naheliegender Tipp: Wer jetzt noch was finden will, dass in den Läden ausverkauft ist: warten! Im Moment werden bei ebay und Discogs Fantasiepreise aufgerufen. Ab nächstem Sonnabend dürfen die Läden die RSD-Releases auch online anbieten. Da wird noch einiges bei sein und die Preise werden deutlich sinken. Zum Beweis: Es gibt sehr viele RSD 2015-Angebote bei ebay, die Euch kein “Arm and a Leg”-Kosten. 

Service für den nächsten Hamburg-Besuch: Plattenläden auf einen Blick (Danke, Groove City)

Hamburg Record Store Day 2014 – in english

Humidor Record Collecting – in english