Einst empfahl der Boss von Columbia Pictures seinen Stars: “Wenn ihr schon Ärger machen müsst, dann macht es im Chateau Mamont“. Diesem Rat sind in den vergangen Jahrzehnten auch eine Menge Künstler gefolgt.

Doch “Room 29” kümmert sich wenig um die reißerische Seite von Hollywood, sondern eher die etwas traurigere, melancholische. So fragt Jarvis Cocker z.B. Clara Clemens, die Tochter von Mark Twain, “Clara, how come your daddy is so much smarter?” Jene Dame hatte in diesem Zimmer dort mit ihrem Mann – ein Konzertpianist – residiert, als er plötzlich bei einem Autounfall starb. Als Erinnerung blieb das Piano seitdem im Zimmer. 

An diesem Abend mischen sich persönliche Erfahrungen aus Hotelbesuchen von Jarvis Cocker und Chilly Gonzalez mit Erinnerungen an die große Leinwand der 30 bis 60er Jahre. Letzterer hat es sich im Bademantel und Hausschuhen auch von von vornherein gemütlich gemacht. Ganz nach der Devise von Jean Harlows “Would you be shocked, if I put on something more comfortable?”, die hier ihre wenig erfolgreiche Hochzeitsnacht verbracht haben soll.

Große Melodien und kleine Dramen im “Room 29”

Gonzalez schreibt für “Room 29” schwelgerische Melodien, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, während Jarvis seine britishness in Wort und Mimik nicht gerade versteckt. Und ja: es geht natürlich immer wieder auch um Sex. In der Mischung wird es dann eben nicht zu Kitsch.

Nach all den Jahren auf der Bühne hat Jarvis immer noch diese storchenhaften Bewegungen, imitiert große Gesten, die er einerseits liebt, andererseits in seinem Jacket mit Cordhose auch wieder als nicht real konterkariert. Überhaupt gibt es hier immer den Gegenpol: Bei einem Rant gegen den kleinen Fernseh-Bildschirm, der auch unsere Träume und Leidenschaften verkleinere, zitiert er ausgerechnet die Unart von reichen Rockmusikern der 70er, das TV-Gerät aus dem Hotel-Fenster zu werfen. “We start a Revolution now here at Kampnagel –  i will destroy this TV”. Aber stopp: wir brauchen das Gerät ja noch für die morgige Vorstellung – aber dann! 

 

An diesem Abend gibt es als Zugabe noch einen Hotel-Song: “Paper Thin” von Leonard Cohen. Ein passendes Outro zu seinem runden Abend voller Erwachsenen-Pop.

Meine 15 Minutes of Fame (na gut, es waren eher 4)

Foto: Lars Brücher (@themroc)

Und dann gab es noch ein kleines Zwischenspiel. Nach dem Hinweis auf Howard Hughes’ Nutzung des Teleskops, um statt m´nach den Sternen am Himmel, nach Starletts am Pool Ausschau zu halten und potentielle Kanditatinnen für die “Screen Tests” zu finden, zoomt Jarvis mit einer Kamera selbst ins Publikum auf der Suche nach einem “Opfer”. Tja, und diesmal war das ich. Er bat mich auf die Bühne und ich bekam von Chilly zunächst einen roten Bademantel übergestreift. Meine Aufgabe: Ein Glas Gin Tonic zur Dame meines Herzens zu bringen, die am anderen Ende der Bühne auf dem Bett liegen sollte (hier war Imagination gefragt!). Im Anschluß musste ich zeigen, ob ich auch “Range” habe: auf dem gleichen Wege musste ich ein Mikroskop befördern, dass auf dem Glasträger eine tödliche Substanz enthielt, die uns alle umbringen würde, falls mir etwas herunterfällt. Puh!

“Just relax Martin, you’re doing very well”

Einen weiteren Beitrag über diese Revue findet Ihr bei susammelsurium: “In Concert: Jarvis Cocker & Chilly Gonzales auf Kampnagel”

Noch ein paar Fotos in der Diashow

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