Am Ende reichten die aneinandergereihten Abstände der Mundwinkel der Gesichter auf und vor der Bühne zweimal bis zum Mond und zurück: Carsten Meyer lud zur Tatortreiniger-Revue ins Hamburger Schauspielhaus.

Zurück am Ort des Verbrechens

Wie jeder Täter, der um die Bedeutung von Traditionen weiß, kam Erobique zurück zum Tatort. Schon vor sechs Jahren lud der Mann der gehobenen anregenden Unterhaltung mit Pep zu einem Stelldichein an denselben Ort. In der Zwischenzeit wechselte er, - für den das Wort "Tausendsassa" hätte erfunden werden müssen, wäre es noch nicht in der Welt - aus dem kleinen Zirkel der Wissenden zum großen Publikum des Pantoffelkinos - persönlich beauftragt von "Tatortreiniger"-Regisseur Arne Feldhusen.

Wie Zuschauern der Serie bekannt, passt sich die  gesamte Crew - Drehbuchschreiber, Schauspieler etc. - dabei nicht an den engen Erwartungen der aktuellen Abendunterhaltung an, sondern biegt die Klammer der Möglichkeiten wieder auf. 

Die große Sonntagabendschau

So begrüßt uns der musikalische Maestro heute Abend mit einem höchstens halbironischen Hinweis auf die große Fernsehshow am Wochenende. Denn er mag den "Geist des Punk", aber eben auch die große kleine Geste des American Songbook, er kennt Techno und House, aber liebt eben ebenso das Songwriting von Bacharach und Brian Wilson. "Indie" ist das hier nicht, "Indie" ist viel zu klein.

Nach dem Intro des Fernsehserien-Themas, die Erobiques Nähe zu Lalo Schiffrin und John Barry verdeutlicht, dekonstruiert er erst einmal die Klischees von Harmonien und Atmosphäre. Er zeigt, welche Akkorde landläufig für Spannung, Verzweiflung und Erlösung stehen. Im Anschluss an diese Lektion erscheint der erste Gast des Abends, Robby bzw. Björn Meyer. Bekannt aus der Folge "Pfirsich Melba" tanzt und singt uns der Schauspieler "Im 80. Stockwerk", bevor er sich "verfatzen" darf.

Klang, Körperkunst und Kermit 

Wieder folgt etwas zum Lernen. Phillip, der für die Geräusche der Serie zuständig ist, erklärt das Daxophon - ein Musikinstrument aus der Familie der Idiophone zum Selbstbauen - was er mit seinem Schwiegervater in spe wohl viele Wochenenden getan hat. Was da zunächst kratzt und sägt, schmeichelt uns schließlich doch noch - mit Henry Macinis "Moon River" aus "Breakfast at Tiffany's". 

Nach der launigen Liebeserklärung des Gastgebers an Hip Hop, schlurft Das Bo auf die Bretter und kredenzt ganz entspannt "Fliegen hoch" von seiner letzten Solo-EP auf dem Groove von Zwanie, Jakobus und KollegInnen und bringt den Saal zum Singen. Bastian Reiber ("Schluss mit lustig") kann nicht singen - dafür aber Körpersprache. Großartige Pantomime mit Slapstick-Einlage.

Der Höhepunkt scheint erreicht, als Sophia Kennedy den "Regenbogen Song" aufführt. Ursprünglich für einen Muppets-Film geschrieben, wird heute Abend der Geist von Karen Carpenter auf die Bühne geholt*). Sophia und Carsten, bitte, bitte, bitte veröffentlicht Eure Version!

Dann strahlen wir

In den Jubel hinein drängelt sich eine in weiß gehüllte Gestalt durch die Zuschauerreihen, in der Hand ein handliches Gerät, aus dem wir besprüht werden. Keine Frage, der Elefant steht im Raum. Und kurz danach auf der Bühne: Bjarne Mädel alias Schotty gibt sich auch persönlich die Ehre heute Abend. Wie jeder Gast muss auch der Reiniger selbst etwas vorführen: Er gibt den Rosaroten Panther zum Besten. Das Finale bestreitet der Hamburger Lotsenchor, Er singt mit uns den Hamburger Veermaster. That's all folks!

Trotz Jieper auf Nikotin gibt sich der Star des Abends noch mal die Mühe mit einem kleinen Zusatzprogramm. Das großartige "Wann strahlst Du" aus dem "Songs for Joy"- Projekt bezaubert auch nach Jahren weiterhin. Schließlich fahren wir noch einmal in das "...Haus, das es nicht gibt" von Hilde Knef. 

Nicht nur die üblichen Verdächtigen im Publikum - und das waren heute viele - strahlen jetzt um die Wette und drängen in die Katakomben zur Spirituosen-Aufnahme. Und mit dem Abend endet nicht nur diese Revue, sondern auch die Serie selbst. Die allerletzte Staffel des Tatortreinigers wird vor Weihnachten 2018 ausgestrahlt.   

*) Auch wenn ihre Version erst posthum veröffentlicht wurde.

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