Vorab: Der Webmontag 2017 lebt

Der letzte Webmontag – nicht nur für 2016 sondern auch in alter Struktur. Denn Kristin und Rene waren “ausgebufft und abgelascht“. Doch mit vereinten Kräften soll es jetzt weitergehen – man munkelt, sogar mit Demokratie. Aber das kommt später…..

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Um diese Jahreszeit heißt es immer: Wir treffen uns im Labor der HAW – unter TideFM. Diesmal mit einem bunten Programm.

Vortrag 1: Nils über Software-Testing


Den Start macht eigentlich ein Techie-Thema. Software-Test-Systeme. Doch Nils weiß mit “unterhaltsamen” Folien und klaren Sätzen zu überzeugen. “Vielleicht muss man gar nicht alles testen”. Das neue Tool an dem er (mit-) gearbeitet hat, bietet 90-95% der Leistung von großen, teuren Systemen und ist flexibel. Dabei zeigt er nebenbei – quasi per Rückhand – woran viele Start-Ups scheitern: am falschen Focus.


Kein Wunder, dass Nils und sein Crew das Produkt schon bei Scout24 einsetzen. Schön dabei auch der Live-Test an der Webmontag-Hamburg-Site. Ergebnis: Skript-Fehler beim Slider. Dann wird sich Rene ja in den Weihnachtsferien nicht langweilen müssen.

Vortrag 2: David über die Zukunft von Agenturen


Ok, wer sich ein bisschen über Seinesgleichen lustig machen kann, David ist schließlich Engländer, kommt erst mal gut an. Doch aus meiner Sicht fehlte der Erkenntnisgewinn. Seine These: “Agenturen sind Tech-Unternehmen” kitzelte dann auch Widerspruch heraus. “Warum soll ich als Entwickler in eine Agentur gehen mit Nachtarbeit, wenn ich in einem echten Software-Unternehmen arbeiten kann?” (oder so ähnlich). Damit, ergänzt mit dem alten Developer-Schlager “Ohne uns geht gar nix”, wurde dann über die “Werber” zumindest die Nase gerümpft. Vielleicht braucht es mehr als nur die Übernahme von Software-Schmieden, um den Agenturen künftig ein größeres Stück vom Kuchen sichern.

Vortrag 3: Uwe zeigt, dass man BWL nicht braucht

Wie er aus der Badewanne in die Beratung kam, erzählt der Gründer von Premium Cola trocken und unterhaltsam. Das ist allerdings gar nicht das Hauptthema. Uwe beschreibt das andere Arbeiten, das Premium umgesetzt hat: Die Mitarbeiter sollen nicht ihr Privatleben um die Arbeit legen – sondern anders herum. Wer ein krankes Kind hat, oder eine Ehekrise durchlebt, kann auch mal eine Zeitlang aussetzen. Und wer eine neue Tätigkeit ausprobieren will, kann das – wenn kein Einwand besteht – auch ausprobieren. Jeder bekommt 18 Euro die Stunde und entschieden wird im Kollektiv. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Premium gibt es 15 Jahre und die Mitarbeiterfluktuation im Gesamt-Zeitraum liegt bei unglaublich niedrigen zwei Prozent. Und obwohl nicht geplant, gibt es sogar einen Überschuss, der jetzt komplett in einen Partner investiert werden soll.

Möglich macht das auch das Prinzip der Vertragsabschlüsse auf Vorläufigkeit. Das sichert dem Unternehmen die Flexibilität. Viele Fragende im Anschluss waren herausgefordert, ihre BWL-Prinzipien doch noch einzubringen: “Was sind Deine Pläne für die nächsten 5 Jahre?” Obwohl Uwe und sein Kollektiv genau so etwas ablehnt. Hätte jemand aus dem Publikum nach einem Börsengang gefragt, wäre er wohl des Saales verwiesen worden 😉

Freies Arbeiten oder Selbstausbeutung?

Allerdings: Die 18 Euro sind brutto – als Selbstständiger. Und obwohl es Zuschläge für Kinder, Behinderungen und bei Einrichtung eines Büros gibt, ist das nicht gerade üppig, wenn man daran denkt, dass hier auch die gesamten Sozialversicherungsbeiträge abgehen. “Wir haben über Facebook gefragt und zur Antwort bekommen, dass nur ein Achtel angestellt arbeiten möchte”. Naja, die Flexibilität kann ja auch mal nach hinten losgehen, und dann ist mit 18 Euro sicher kein großes Polster aufbaubar. Immerhin sind im nächsten Jahr 20 Euro geplant.

Insgesamt also diesmal recht unterschiedliche Bereiche – im Gegensatz zu oft übergreifenden Themenabenden der Vergangenheit. Jetzt geht der Webmontag in die Winterpause. Ab Februar / März geht es weiter. Wäre ja auch echt schade gewesen, wenn nicht.