Wer heute kein Superstar ist, für den sind Konzerte oft die Haupteinnahmequelle. Und so hat auch Hamburg seit einigen Jahren zunehmend ein allabendliches Angebot von Solo-Künstlern und Bands, das von der Größe früher nur in London oder NYC anzutreffen war. Dazu kommen viele Barden und Bardinnen, die - angefixt durch zweifelhafte Casting-Shows - antreten, um hier (oder in Werbung, Film oder Dschungel-Camp) endlich berühmt zu werden. Das Problem: Echte Sänger drohen dabei übersehen zu werden. Darum bitte ich jetzt schon mal um Entschuldigung bei allen mittelmäßigen Musikern, die ich im nächsten Jahr live sehen werde (Näheres weiter unten)*.

Mehr als nur Retro

DeRobert aus Nashville scheint zunächst einer der klassischen Retro-Soul-Sänger zu sein. Alle Klischees werden erfüllt: Schwarz, Schweiß, Schlips**. Doch nach diesem Konzert werden es die Dap-Kings sehr schwer haben, bei mir wieder Fuß zu fassen. Die heiligen drei - Sharon, Charles und Lee - steckt er zumindest in die Tasche.

Dass er singen kann, ist keine Überraschung. Das bewiesen bereits diverse Veröffentlichungen auf amerikanischen- und europäischen Labels. Doch das ist nur die halbe Miete. Im nicht wirklich eng gepacktem Knust hat er mit seinen Half-Truths die Menge schon im zweiten Song voll im Griff. Seine Songs sind nicht die übliche Aneinanderreihung von gebrauchten James-Brown-Riffs mit halbherzigen Arrangements in ermüdenden Endlos-Versionen. Im Gegenteil, die insgesamt 23 Songs (!) werden mit einer Energie vorgetragen, dass das Publikum beim Zuhören und Tanzen fast genauso stark schwitzt wie DeRobert unter den Bühnenscheinwerfern. Neben vielen Eigenkompositionen mit dabei: überzeugende Cover-Versionen von "Whole Lotta Love" von Led Zep, "Tell it like it is" von Aaron Neville und "Grits and Groceries" von Little Milton.

Bläser mit Punch (nicht Punsch)

Auch die Halbwahrheiten steuern einen großen Teil für dieses bravouröse Konzert bei. Besonders die Bläser akzentuieren die Melodien und treiben die Songs voran. Und dabei wird deutlich: Die Band versteht sich gut - trotz langer Tourneen und noch keinem Anzeichen von ganz großer Karriere. Dass sie das längst verdienen, steht für das Publikum heute Abend außer Frage: Am Ende der zweiten Zugabe erwirbt (fast) jeder Anwesende mindestens einen Tonträger mit den Autogrammen der gesamten Combo. 

Panta - Ein Wort zur Vorband

Vor DeRobert stand ein Quartett aus Hamburg auf den Brettern. Panta kommt von der Hamburg School of Music und verorten sich zwischen Rock und Soul. Zwei, drei nette Songs zeigen, sie sind schon aus den Kinderschuhen raus. Aber trotzdem klingen die Musiker doch zu sehr noch Rock, als das sie ihrer Sängerin gerecht werden können. Vieles, was da als Soul bezeichnet wird, ist eben nicht wirklich funky. Djamila hingegen hat schon alles, was eine Frontfrau haben sollte: Charme, Power - und eine tolle Stimme. Da kommt noch was.

*) Überlegt es Euch noch mal

Wenn man nach einem solchen Konzert wie DeRobert live in Hamburg mit viel zu wenigen Besuchern daran denkt, dass jeder Kindergärtner (nur ein Serviervorschlag) mit Akustik-Klampfe und Bart sofort sein Publikum zu finden scheint, warne ich vor: Nehmt Euch in Acht. Es gibt künftig keine Gnade. Wem die echte Begeisterung für Musik, wenigstens ein bisschen Talent oder originelle Ideen fehlen, den werde ich nicht mehr schonen: Überlegt es Euch noch mal und get a Job! Es sind eben auch die viel zu vielen Nachmacher-Minnesänger, die die Kanäle verstopfen. Ich spüle künftig stärker durch (verbal).

*** Nur für die Alliteration