„You wanna know about ‚Gangsta‘s Paradise?“ - dass Coolio mir diese Frage am Ende seines Interview-Marathon-Tages stellte, war nicht mehr vorauszusehen. Zu sehr war er sichtlich genervt von den Fragen Hamburger Journalisten und womöglich auch dem ersten Blickkontakt mit mir.

Es war an einem Wochentag im Herbst gegen 17 Uhr. Ich hatte einen gut bezahlten Dayjob mit Karriere-Option - weit weg vom Musik-Business. Denn diese Leidenschaft wollte ich mir nicht verleiden lassen - ob durch Chefredakteur, Tourmanager oder Labelchef. Also schrieb ich in der Freizeit in Magazinen. Für Interviews hieß das: direkt vom Schreibtisch zum Hotel oder Labelbüro.

Coolio: Auch im Hip Hop zählt der erste Eindruck

An diesem Tag hatte ich einen dunklen Anzug an. Das war nicht vorgeschrieben, aber ich trage das gern - auch mit Krawatte. (Es gibt kaum wichtigeres als sich von “lockeren” Spießern - mit Anzug, offenem Hemd und Sneakers - abzusetzen.) Und so kam ich erwartungsfroh zum Hotel hinterm Gänsemarkt. Doch wurde dort schnell gestoppt: Alles wäre im Verzug, der Künstler genervt, der letzte Slot besetzt. Aber ich könnte mich dazu setzen, wenn ich wollte. Auftrag ist Auftrag - und: ich wollte Axel von Jazz Thing nicht enttäuschen. So „schlich“ ich mich ins Zimmer- sofort kritisch beäugt von Coolio und featured Singer LV ("Large Variety"), geräuschlos denkend: Was will der denn hier?

Mit guter Miene zum bösen Blick setze ich mich und lauschte dem Frage-Antwort-Spiel an meiner statt. Dort saßen zwei Jungredakteure, die für einen der unseligen Hamburger Sender, die man heute als Radio versteht, danach trachteten, ein paar O-Töne einzufangen. Dafür hatten sie ein paar belanglose Fragen im Gepäck, die der Star entsprechend gelangweilt beantwortete.

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Das Elend der Hamburger "Hit-Radios"

Echtes Leben kam in die gemietete Bude, als gewusst werden wollte „Do you have Beef with Dr. Dres?“. „Dr. Who?“, fragte Coolio zurück - immerhin eine Chance anbietend, zumindest den Namen richtig zu nennen. „Dr.Dres!“ wurde überzeugt erwidert. Der Rapper machte eine müde Handbewegung. Doch die Rache kam im Anschluss. „Coolio, who got you your name?“ „YOUR MOTHER!“. Um anzufügen: „I am not talking about „Gangstas Paradise“ und damit dem kleinen Theaterstück ein jähes Ende setzend. Die beiden schlecht betreuten und ebenso vorbereiteten Fragenaufsagern war schnell klar, dass dieser Termin für das entsprechende “Hit-Radio” umsonst war.

Auch ich erhob mich, versuchte es aber dennoch einmal: "Coolio, did it all started with WC and the Mad Circle?“. Die Augen meines Gegenübers blitzen auf und die Mine erhellte sich. „You know?“. Dann signalisierte er seinem Gefolge: Ich bleibe doch noch bisschen.

"Well you can guess the Rest" - um Bryan Ferry zu zitieren: Ich bekam meine Story mit Hit-Bezug. Und es tat gar nicht weh.

Further Trivia

Dass das Original von Stevie Wonder stammt und 1976 veröffentlicht wurde, ist mittlerweile bekannt. Es gab aber vor Coolio schon andere Interpreten, die den Song aufgriffen. 1981 variierte Ray Barretto den Rhythmus und ein Jahr später veröffentlichte Billy Mackenzie eine Version auf dem letzten offiziellen Associates Album, eingespielt mit Moritz von Oswald, Ralf Hertwig und Thomas Fehlmann von Palais Schaumburg.