Roy Ayers live in Hamburg im Knust

He’s A Superstar

Dass Roy Ayers heute noch Hallen füllen kann, liegt wahrscheinlich hauptsächlich an Gilles Peterson*. Der hatte nämlich Mitte der Achtziger immer zwei, drei Tunes von Roy im Gepäck, wenn er im Londoner Dingwalls zum Acid-Jazz-Tanz aufspielte. Etwas später stießen dann viele US-Hip Hop-Produzenten auf den Vibraphonisten, als die James Brown- und P-Funk-Samples aufgebraucht waren. Seitdem gehören seine Aufnahmen zu einer jeden guten Party mit organischen Sounds – auch in Hamburg.

Grund genug also, Tim und der Jazzhouse Hamburg-Crew zu folgen, als sie zu Roy in den Knust laden. Und so geht es heute Abend vielen Gesichtern der Hamburger Soul- und Groove-Szene: Die Halle war ausverkauft. Das Vorprogramm bestreitet ein Altbekannter: Sebel von Dusty Donuts verwöhnt uns mit Jazz-Soul-Funk: von Marlena Shaw über die Blackbyrds und Gang Starr bis zu den JB’s.

Can’t You See Me

Und um 21:30 Uhr geht es los: Nachdem die Begleitband uns anwärmt, kommt der Mann himself. Und: Ja, er ist kein junger Mann mehr. Darauf hat uns schon der Stuhl eingestimmt, der in der Mitte der Bühne platziert ist. Kurz ein paar Hinweise an die Band und Technik, dann dreht er sich zu uns und beginnt mit “Searching”. Und wer nah genug an der Bühne steht, sieht seinen glücklichen Gesichtsausdruck. Sobald er die Klöppel in die Hand nimmt, blitzt die Sonne in seinen Augen: “Everybody loves the Sunshine” – indeed, Mr. Ayers, indeed. Während des Songs halte ich das Album-Cover hoch und er lächelt mir zu – manche von Euch nennen so etwas wohl “Gänsehaut-Moment”!?

Don‘t Stop The Feeling

Allerdings bestreitet Roy nur einen Teil des Abends aktiv. Oft setzt er sich auf den Stuhl und feuert die Kollegen an Bass, Keyboard und Drums an. Die spielen dann auch deutlich längere Passagen als der Meister – bis er den jeweiligen Song mit seinem Einsatz wieder einfängt und beendet, um danach den nächsten Track einzuleiten. Das Programm besteht aus einem Best-of seiner Polydor-Alben der Siebziger: “Red Black & Green”, “Can’t You See Me”, “Running 

 

Away”, “Evolution” oder “Don‘t Stop The Feeling”.  Und das war schön. Nur leider auch recht kurz – nach einer Stunde gingen dann die Lichter wieder an. Das war es also: Roy Ayers in Hamburg. Wir hätten noch gern mit 

ihm weiter gefeiert – und “We Live In Brooklyn Baby” hätte er gern als Zugabe bringen können (auch wenn andere sich tatsächlich etwas aus seiner Achtziger-Phase gewünscht haben).

King’s Last Ride (?)

So manch einer machte seiner Enttäuschung Luft – aber mit 78 Jahren sind einige von uns wahrscheinlich auch nicht mehr so frisch. Persönlich ging das Konzert noch mit einem Highlight zu Ende: Roy signierte mir meine “Sunshine”- und “Coffy”-LPs. Hoffen wir, dass die Sonne noch länger aus seinen Augen blitzt.

Roy Ayers Band live in Hamburg im Knust