Nach dem großartigen Gig im Molotow im letzten Jahr - diesmal im Knust: The Idles wieder in Hamburg - nur voller, länger, lauter!

Und so sah es auch das Publikum: 80 % Männer, die fast reflexartig ihre gelernten Rock-Verhaltensweisen ausübten: pogoen, gröhlen und irgendwas mit Zeigefingern. Dabei sind die Idles bewusst keine maskuline Band. Sie haben einen funky Bass, schwule Mitglieder, Texte gegen Machos, den Brexit, Männer die seine Gefühle nicht zeigen können und Hymnen an die öffentliche Krankenversicherung in Großbritannien. "Joy is an act of Resistance" - eben!

Auch wenn meine Ohren dann doch nicht geblutet haben, bedienen The Idles oberflächlich den testosteron-gesteuerten Jungenspaß: krachige Gitarren, Rumgehampel auf der Bühne und Stagediving. Aber irgendwie dann doch nicht. Denn sie sind sich dessen bewusst und thematisieren es auch. Leider geht hierzulande dabei sehr viel "Lost in Translation". So bleibt die nonverbale Kommunikation. Und die funktioniert auch. Die Gitarren werden kurzerhand im Publikum verteilt und dann werden alle auf die Bühne gebeten.  

Was sich zum Vorjahr geändert hat: Sie klingen fetter. Denn die Basslines haben an Bedeutung gewonnen. Dann kommen The Idles auf einmal ein bisschen aus New York - In A Good Way. Und ihre Version von Solomon Burkes "Cry To Me" war so schön, dass ich mir auch ein tolles Cover-Album vorstellen kann. 

The Idles live im Knust: Sie hätten mehr Frauen und elegantere Männer im Publikum verdient. Also Jungs: arbeitet daran!*

*Es geht hier nicht um Heteronormativität - die 85 % Jungs können das beides leisten. (Und die Girls sowieso).

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