Natürlich war es schnelle Musik mit Stromgitarre - aber von der Physiognomie eben nicht groß, fest, hart wie Rrrrrrock sondern dürr, zickig und scharf. Ein Sound, den die Band leider schnell verlor als sie zu den neuen Rolling Stones wurden; mit Konzept-Alben und (auch gelungenen) Ausflügen in aktuelle Sounds (dort "Miss You" - hier "The Magnificent Seven").

Gekauft im Monat des Erscheinens -- April 1977 -- bei Tractor Records in der Eppendorfer Landstraße 90. Eppendorf war schon damals ein ehemaliger Studenten-Stadtteil und Heimat der "Hamburger Szene" um das Onkel Pö im Lehmweg 44 (in der 1979 auch ein paar Punk Bands auftraten) aber auch recht schnöselig. Hier gab es den ersten McDonalds in Hamburg - bevölkert fast ausschließlich mit geknoteten-Pullover-über-die-Schultern-Typen.

Gekauft bei Tractor Records

Aber Tractor Records war auch hip. Hier gab es neben dem gediegenen Pop (Al Jarreau, Helen Schneider, etc.) erste Punk Platten - bald auch Singles, viele US-Importe und später House. Gekauft habe ich dort u.a. Holidays in the Sun, den Great Rock'n'Roll Swindle und Yellos "Rhythm Divine" - in der Billy Mackenzie-Version. Und eben auch das Debut von "The Clash". Bisher war "White Riot" noch nicht im Hamburger Radio gespielt worden und der ausführlichste Bericht stand zu dem Zeitpunkt in der BRAVO, die bereits 1976 über Punk berichtete. Die SOUNDS war sich damals noch nicht sicher, ob sie bei "Progressiver Musik" bleiben sollte. "Anarchy in the UK" wurde verrissen und im gleichen Atemzug diese Pseudo-Punk-Compilation hofiert. Die Platte stand einfach überraschend unter Neuheiten - und ich musste mir Geld leihen, um sie dort nicht noch eine weitere Nacht allein stehen zu lassen.

The Clash in der Bravo

The Clash in der Bravo - noch mit Keith Levene.

Die zornige "politische" Attitüde der Clash war damals heißer Scheiß - und längst noch nicht so verklärt wie der Strummer-Mythos einige Jahre später. Nach einem Song benannte sich Peter Hein in seiner Punk-Phase, während die Cover-Version von "Police & Thieves" uns die Augen öffnete, dass es mehr gab als Bob Marley. The Clash bleibt ihre beste LP*.

Anekdote am Rande: Als The Clash ihr "London Calling" Album in der Hamburger Markthalle aufführten, waren sie für mich nicht (mehr) interessant. Ich besorgte der Punk Band "Kennzeichen D" aus Hameln vier Tickets und zwitscherte nach der Übergabe ab nach Hause. Konnte ja keiner wissen, was an dem Abend noch passieren sollte ...

*Achtung, unbedingt auf die originale UK-Tracklist achten. Die US-Version tauscht LP-Tracks mit späteren Singles und ist er eine frühe "Best-Of".   

"There's a Riot going on" - The Clash in der Markthalle © Ilse Ruppert