Mettigel, Scottys Serien und Essen satt - die Vorweihnachtszeit startet wieder mit dem Barcamp. Es war wohl mindestens mein siebtes - zumindest wies mich FB kurz vorher darauf hin. Ich wusste also was kommt. Doch etwas war dann doch anders. Es wirkte alles irgendwie kleiner. Obwohl: Natürlich waren noch sehr viele Bekannte unterwegs - nur eben weniger "Auswärtige". Das mag daran liegen, dass mittlerweile jede Haltestelle ihr eigenes Barcamp veranstaltet - was ja auch für das Format spricht.

Tag 1

Im Rückblick habe ich mich am ersten Tag für pragmatische Themen entschieden. Das war sinnvoll - aber dafür habe ich Vieles verpasst, das vielleicht weiterblickender gewesen wäre. Sei's drum:

Los ging es mit dem Einsatz von Bots im Vertrieb. Wo ist es sinnvoll, wo stört es und wollen wir das überhaupt? Schnell wurden Definitionen und Qualitäten von KI vorgestellt. Und anhand eines anwesenden Programmierers sein geplanter Verkaufsbot für Badezimmer auch eifrig diskutiert. Interessant dabei: Der Session-"Owner" hätte gern aus Sicht der Vertriebsmitarbeiter diskutiert, der Rest war eher auf Seite des Arbeitgebers. Letzterer fällt schließlich die Entscheidung, ob, wo und wie diese Technik eingesetzt wird. Killer-Argument dafür war allerdings die Möglichkeit, spät am Abend sein neues Bad zu planen. Nur eine Bestellung wird online ggw. kaum gelingen - wenn Kacheln und Armaturen über 5.000 Euro liegen.

Selber Raum, neues Thema: Facebook Lead Ads. Eigentlich kein neues Thema - aber als Bericht aus einer Semesterarbeit recht interessant. Melanie Kroepfl von crowdmedia untersucht, wie erfolgreich eine Facebook Kampagne für die Anmeldung ihrer Online-Seminare spielen könnten. Und dann noch mal ein Round-Up bzw. Update zu Google-Ads und SEA. "10 Google Hacks" wurden uns von Anja Liebherr versprochen - und gehalten. Wer ihre 10 Tipps umsetzt, sollte - je nach Budget - erfolgreich sein.

"Big Data für Igel" - hatte nichts mit den "Individuellen Gesundheitsleistungen" zu tun, sondern, wie man mit wenig Geld und Power durch den richtigen Einsatz von Big Data sich trotzdem munitionieren kann.


Am Beispiel der Konsequenzen auf den Dieselskandal und dem digitalen Rauschen beim Rennen um den CDU-Vorsitz, zeigte die Agentur aus Oldenburg, wie man z.B. die Daten aus Google Trends quantifizieren kann. Dazu erhielten wir noch Tipps und Tricks - und die Namen einiger nützlicher Tools - super Session.

Danach war für mich beim Barcamp erst einmal die Luft raus. Ein spannendes Brainstorming mit @kaorime über unsere und andere Musikblogs (ihr werdet schon sehen) lies mich weitere Session vergessen.

Tag 2

"Don't Call It A Comeback - Schnitzel"- war der Titel der ersten Session am Sonnabend (für mich) über "Agile Mythbusting" von elbblick und fjeisenberg. Mit einem Bingo und Bratpfannen-Role-Play begann es kurzweilig - aber bei mir konnte das nicht so wirklich zünden. Vielleicht war es doch eher mehr Inside-Session, als der Veranstaltungsort (große Bühne) vermuten lies.


Und dann ab in die Psychologie: Enno erzählte über "Gewaltfreie Kommunikation".  Mich überrascht, dass dieses Thema für viele so neu zu sein scheint: hat doch jede/r schon erfahren, wann und wie man durch die Wahl und den Einsatz von Worten und Allegorien verletzt werden kann. Aber vielleicht mache ich hier denselben Fehler: den eigenen Blick als allgemeingültig zu setzen. 

Natürlich ist richtig und wichtig, aber manchmal muss ich doch Lestoire zustimmten:


Dazu gibt es auch einen guten Song - im übertragenen Sinne.

All Hail the Artificial Intelligence?

Jetzt mal was Modernes: "Künstliche Intelligenz". Zunächst gab es viele Beispiele und Definitionen - z. B bei automatisierten Kreditvergaben (inklusive Umschuldung). Und es wurde auch der Begriff "Singularität", also wenn die Maschinen vollkommen autark agieren, eingebracht und schließlich der chinesische Nachrichtensprecher gefeatured, der nur noch wie ein Mensch aussieht. Und es wäre doch toll, wenn künftig über die automatische Einbindung von Twitter die Nachrichten noch aktueller wären - obwohl es hier ebenso starke Zweifel gibt. Am Ende erlaubte ich mir die Frage nach dem Nutzen zu stellen: Haben die menschlichen Nachrichtensprecher dann mehr Freizeit - oder weniger Einkommen? Und: Sollte man im Rahmen der technischen Entwicklung nicht auch die gesellschaftliche mitdenken? Sind künftige Nachrichtensendungen so individualisiert, dass jede/r auch dort nur noch seine Filterbubble-News erhält? 

Die Reaktion war vorhersehbar. Das sei die Zukunft - so wird "es" kommen. Mein Einwand wurde - salopp formuliert - als fortschrittsfeindlich angesehen, obwohl ich das explizit nicht gesagt habe. Keine/r möchte weiterhin in der Höhle leben. Es geht mir um einen verantwortungsvollen Einsatz der technischen Möglichkeiten. Es ist schade, dass auf einem Treffen der Digitalen, die sich selbst als Avantgarde sehen, anscheinend oft nur eine Null-oder-Eins (entweder/oder) - Welt gedacht werden kann. Im Anschluss diskutierten wir im kleinen Kreis konstruktiver weiter - und verglichen unsere Wissensstände.

Danach war es höchste Zeit, zumindest dem zweiten Teil der Weinsession von Anke beizuwohnen.


Ich habe mich bemüht, aber die anderen (Ania, Peter, Jennifer, Bastian und ein paar mehr) hatten schon zu viel Vorsprung. Hier ist meine Kenntnis auch eher so semi. Im Anschluss dann auch hier ein lustiges Gespräch um unterschiedliche Wissensstand: Was? "Bravo" war ursprünglich eine Zeitschrift? RTL ein Radioprogramm? Und Black Music muss nicht schwarz gekleidet sein? Heiterkeit auf allen Seiten! Das ist immerhin auch eine Erkenntnis.

"Außerhalb des Wettbewerbs"

Zum Abschluss noch ein paar Kommentare: Ich bin traurig überrascht, über manchen Ton. Als sich jemand auf Twitter darüber beschwerte, dass das Essen für Veganer nicht deutlich erkennbar war - kam gleich eine "Mimimi"-Reply per Twitter aus dem Umfeld des Orga-Teams. Das ist nicht unnötig. Manchmal beschleicht mich eine Ahnung, dass bei einigen "Digitalen" eine ähnliche Opferhaltung kultiviert wird, wie bei zweifelhaften Parteien. Das äußert sich z.B. bei der reflexhaften Verteidigung jedes Internet-Geschäftsmodells, der ständigen Selbstversicherung gegenüber "Neuland"-Bürgern und dem fast bösartigen Wegbeißen jedes Kritikers des Einsatzes von Smartphones im Unterricht.


Da wünsche ich mir mehr Souveränität als Voraussetzung für einen reflektierteren (schon wieder) Umgang mit Kritik. Und wenn dann noch Themen wie das "Chinesische Horoskop" auf den Session-Plan rücken, dann frage ich mich: echt jetzt? Kommt jetzt auch noch Esoterik? Muss ich langsam Abschied nehmen? So wie die Regeln in der ZDF-Hitparade: "Sieben Mal dabei - bitte nicht wieder wählen einladen"? Auf der anderen Seite lerne ich neue Dinge kennen und nehme immer  etwas mit. Ich werde mir darüber die nächsten Wochen Gedanken machen. 

Das Schlusswort hat Christine (hey, wo sind meine Tantiemen?):

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