Nein, Maurice ist kein Popstar. Dazu ist das Haar schon zu schütter, der weiße Adidas-Trainingsanzug zu hip-unhip-hip und die Dance Moves zu wenig einstudiert. Und vielleicht liegt es daran, warum der Auftritt von Maurice und die Familie Summen im Pudel und nicht in der Markthalle oder der Großen Freiheit stattfindet. Denn ‘Pop’ ist heute dort, wo man früher den sogenannten Underground verortet hat: in den kleinen Spelunken.

Zu gut abgeschmeckt?

Maurice und die Familie Summen im Pudel

Maurice und die Familie Summen im Pudel

Eingänge Melodien mit tanzbaren Rhythmen und pointierten Alltagsbeobachtungen klingen eigentlich wie ein Erfolgsrezept.Und die zehn(!) Musiker der Familie kennen ihre Instrumente – ohne auf den Putz hauen zu müssen. Doch damit verlangen Maurice & die Familie Summen doch nach einem etwas längerem attention span. Sie entfalten ihren ganzen Spaß, wenn man sich ein bisschen für Musik, die Welt und so… interessiert. Und damit sprechen sie weder die große Masse der jungen noch die Intellektuellen Menschen an. Ersteren fehlt oft die Geduld, letztere suhlen sich schon seit langem im modernitätsfeindlichen “ich kann meinen Videorekorder(!) nicht programmieren, weil ich so tiefsinnig bin”- Modus.

Und so könnten Sie eigentlich mit einstimmen in: “Ich will meine alte Zeit zurück” – einem der vielen Hits der Platte “Bmerica”. Doch während “wir” mit dem DeLorean DMC-12 kokettieren, weinen jene der Pferdekutsche hinterher….. Jedoch: Die Familie Summen bleibt dabei im Hier und Jetzt: die Songtexte kreisen um ständige Erreichbarkeit und grundsätzlicher Verweigerung – ohne Pathos und “Gänsehaut-Feeling”. Da macht man sich eben mal kein Abendbrot sondern Gedanken über die künftige Welt wie:

Code is Love. Aber Programmieren ohne Gewissen ist Kot – also Scheiße

Der Pudel ist wieder golden:
“Er ist wieder da!” (um mal Marion zu zitieren) – der Golden Pudel Club lebt. Und er ist schöner denn je. Dabei wirkt alles wie gehabt. Der große Raum scheint wie kopiert aus alter Zeit. Die neue Bar ist allerdings auch sehr gelungen. Und dass Marga von Groove City jetzt immer die “Frühschicht” am Freitag Abend regelt setzt dann noch ein großes “i”-Tüpfelchen oben drauf.

Auch damit sind Maurice und die Familie Summen natürlich nicht Sportschau-kompatibel. Da kratzt kein “authentischer” Bart in der Stimme, da werden keine großen Abenteuer auf den Meeren besungen oder historische Sagen bemüht, hier geht es um die Pfützen im eigenen Kiez.

Too Many Pop Singers, Not Enough Pop Songs

Ja, Maurice ist ein Popstar. Einer, der seine Musik und seine Texte nach außen bringen will. Zu denen, die Popstars mit offenen Armen empfangen, denen Klänge, Slogans, Beats und Rhymes etwas in ihrem Leben bedeuten. Die sich noch leidenschaftlich begeistern und aufregen können – und den Glauben an ein anderes, besseres Morgen dann auch nicht aufgeben wollen.

Und davon haben wir gegenwärtig viel zu wenige. (Und: Wahrscheinlich habt Ihr im Mai 2018 nochmal die Chance, Maurice und die Familie Sinnen live in Hamburg zu sehen.)