Robert Finley live im IndraEs gibt ein Musikerleben jenseits von Casting-Shows, singenden Schaufensterpuppen und Jugendwahn. Jüngstes(!) Beispiel mit 64 Jahren ist Robert Finley aus Bernice, Louisiana. Er war zu Gast im legendären Indra Club an der Großen Freiheit.

Der lange Weg nach Europa

"Vor drei Jahren habe ich auf der Straße in Arkansas Musik gemacht", sagt Robert im Interview*. "Jetzt toure ich in Europa!". Dabei sprachen alle Wahrscheinlichkeiten längst dagegen. Musik hat er eigentlich schon vor 50 Jahren gemacht. Als Soldat in Deutschland war er "Entertainment Officer" und für die klangliche Unterhaltung in den GI-Clubs zuständig.

Doch in das zivile Leben konnte er seine Erfahrungen nicht überführen. "Ich hatte nur mit unpünktlichen Musikern zu tun. Darauf konnte ich keine Karriere bauen".

Also wurde er Zimmermann. Und das wäre er wohl auch geblieben, wenn nicht eine Augenkrankheit sein Sehvermögen zusehend einschränkte. Heute hat er nur einen "Tunnelblick" auf dem linken Auge. "Früher musste mich jemand auf die Bühne bringen, jetzt weiß ich, wo die Instrumente stehen und wo ich hinschauen muss."

Ein Grandseigneur alter Schule

Und wenn er auf der Bühne steht, dann spürt man, hier ist Robert zuhause. Sein Alter hat ihn nicht gebremst. Denn "Age ain't nothing but a number" - behauptet er wenigstens. The "old cat with new tricks up his sleeve"  singt über Affären mit jüngeren, wie man eine Frau glücklich macht und erzählt kleine Geschichten mit Lebensweisheiten aus seinem Leben. Zusammen mit zwei Musikern aus seiner Nachbarschaft, die ein Drittel seiner Lenze zählen, bringt er einen raumfüllenden Klang zwischen Southern Soul und Blues. Wer jetzt Syl Johnson im Ohr hat, liegt schon ziemlich nah.

Robert Finley Goin' Platinum

Das war sicher auch der Grund warum seine Songs an der Straßenecke von der "Music Maker Relief Foundation" entdeckt wurden. Die brachten ihn zum Big Legal Mess/Fat Possum-Label und veröffentlich sein erstes Album. Und da dort auch mal die Black Keys veröffentlicht haben, schickte man eine CD an deren Gitarristen und Sänger Dan Auerbach. Der war von seinem Bariton begeistert und nahm Robert gleich mit auf Tour. Allerdings nicht als Support-Act: "Dan brachte mich in seinem Hauptprogramm", schwärmt Robert im Keller des Indra. "Er hat mich in seinen Auftritt eingebaut". Und gleich die nächste Platte produziert mit dem Titel "Goin' Platinum" - das ist ja dann auch eine Ansage. Zumindest im Studio war die Platinklasse am Werk: Schlagzeuger Gene Chrisman (spielte für Elvis, Dusty, Dionne, Al Green, Ann Peebles, James Carr und Aretha), Keyboarder Bobby Woods (Begleiter von Bobby Womack und JJ Cales) Jeffrey Clemens (bekannt von G.Love & Special Sauce) und sogar Duane Eddy an der Gitarre.

 

Ein Wiedersehen im nächsten Jahr?

Auch wenn das Indra nicht eng gedrängt war, Mr. Finley weiß, wie er uns einheizt. Und er ist charmant: Für die Betreuerin des Konzertveranstalters lässt er uns "Happy Birthday" anstimmen. Seine zweiköpfige Band bleibt im Hintergrund und ist ein bisschen genervt, dass der Gentleman alter Schule im Cowboy-Look nicht von der Bühne gehen will. Schließlich steigt er vorsichtig hinab und mischt sich unter sein Publikum: "Ohne Euch könnte ich das hier nicht machen". 

So wie einst Sharon Jones oder Charles Bradley startet seine Karriere erst im dritten Frühling. Der soll nach lange dauern, im nächsten Jahr will er mit kompletter Band und großer Tour zurückkommen. Es wäre zu wünschen, dass er dann die Chance bekommt, ein größeres Publikum zu begeistern.

 

*) Mehr davon in der nächste Soul Stew Sendung am 21.Dezember 2018