Es war wohl ein ironischer Wink mit dem sprichwörtlichen Pfahl, dass Junior Giscombes vielsagender Titel "Mama Used To Say" der Soundtrack zu meiner Volljährigkeit wurde. Aber noch vor dem neuen Pop von ABC oder den neuen Human League durchdrang diese kommerzielle und erfrischende Melodie das Eingemauertsein in Geheimzirkel zwischen "Indie", "Underground" und anderen Ausreden für z.T. zu recht unerfolgreicher Musik.

Das war doch mal der Feind?

Auch wenn es nicht meine erste 12" Single war, ist es doch die erste "Disco-Maxi" in der Tüte. Was noch fünf Jahre zuvor als feindlich angesehen wurde: "Saturday Night Fever" etc. - konnte plötzlich mit einem Lächeln entwaffnen.

Said a small boy once asked, When will I grow up
When will I see what grownups do see
In his fight to come of age, he would have to know the age
To be recognized is when I'm not unmasked
And mama used to say, Take your time, young man
Mama used to say, Don't you rush to get old
Mama used to say, Take it in your stride
Mama used to say, Live your life

1981: The Year Punk Rock smelled funny 

Während der Soundtrack des Jahres 1981, "Tainted Love",  - nach der Begeisterung für Dexy Midnight Runners Debut - , schon das zweite Zehenspitzchen in Richtung SOUL war, wurde Junior Giscombe kurz danach aber meine erste Platte eines schwarzen Künstlers mit POP. (Über die Don Letts "Punky Reggae Party"-Connection stand der alte Bob Marley zwar schon im Regal, aber das war zu kompatibel mit langweiliger Hippie-Musik und hatte keinen wirklichen Schwung). Obwohl Post-Punk bei mir noch die Deutungshoheit besaß. drängten jetzt Synthie-Pop und späte Disco ebenso auf den Plattenteller, wie angepunkter Power-Pop aus dem UK-Mainstream und sogar Northern Soul - durch die Wiederveröffentlichung von Gloria Jones "Tainted Love" - im zusammengeklebten "All-Nighter Mix" plus weiterer 10 "Classics". Und so wurde 1981 das Jahr des Umbruchs: plötzlich erwachsen, alles wurde bunter und die originale Orgienpost war obsolet - aber das ist eine andere Geschichte.