ToyToy knust hip hop rejazzedAls Midnight Marauders im Jahr 1993 erschien, stand Hip Hop in voller Blüte. Denn DJs bastelten mittlerweile filigrane Klangteppiche aus mehreren Quellen – eine deutliche Weiterentwicklung des ursprünglichen Party-Rapping über dem Instrumental eines Disco-Hits.

Midnight Marauders

Tribe Midnight MaraudersJazz und Hip Hop, das ist eine Wunschehe für Intellektuelle. In den 90ern waren komplexe Samples mit komplexen Lyrics der ganz heiße Scheiß. Wie immer wenn man Popmusik gut finden möchte, ohne sich schmutzig zu machen. Und vorn mit dabei: A Tribe Called Quest. Sie kamen als Letztes der Native Tongues Posse mit ihrem Debut “People’s Instinctive Travels” aus den Startlöchern. Zunächst noch mit Anleihen an bekannte Sounds: Roy Ayers, Lou Reed, Chamber Brothers. Auch wenn hier schon Jazz-Samples eingesetzt wurden, bot das Album den Anschluss ans College-Radio.

Doch mit dem Nachfolger: “Low End Theory” ließen sie Kollegen und Konkurrenz weit zurück. Echte Jazzer im Studio und obskure Kleinstsamples als Quelle. Es war spröde, es war rau, es war mächtig.

Midnight Marauder ergänzte zwei Jahre später den Jazz wieder durch Smoothness. Das Album klingt slicker, eleganter, flüssiger. Es war das erste Tribe-Album das Platinstatus erreichte – drei Wochen vor dem Vorläufer “Low End Theory”.

Clap Your Hands

Das Midnight Marauders-Album besteht aus Hunderten von Samples – viele davon aus dem Jazz. Genau da kommen ToyToy her – und daran lassen sie auch keinen Zweifel. Die Hooks der Songs werden live reproduziert und vom Publikum goutiert bevor umgesetzt wird, was der Titel der Veranstaltung verspricht: Hip Hop rejazzed!

Das bedeutet: das Invertieren der Vorlage. Denn wo im Hip Hop die Samples den Raum für den Sprechgesang freiräumen/umrahmen/aufspannen, füllen ToyToy die Lücken mit Tönen, bis diese Flächen platzen. Da tröten Trompeten und Saxophon von Florian Leuschner, Sebastian Wehle und Jan Kaiser, prägen die Jazz-Harmonien von Martin Terens am Keyboard, pulsiert der (Kontra-) Bass von Daniel Stritzke und treibt uns der Beat der Drums.

We Can Get Down

ToyToy KnustToyToy reihen nicht die Samples der Vorlage aneinander – sie interpretieren das Album eigenständig neu. Die Themen werden aufgenommen und in neue Zusammenhänge gesetzt. Und die Band ist so tight, dass sie die freien Momente ausreizt, um am Ende auf den Punkt wieder beim Thema zu landen. Dirigent ist hier Drummer Silvan Strauss, der immer den Überblick behält. Dabei ist es gerade er, der mit Double-Timing und Rap-Einlage (“Oh My God”) selbst auch eine ganze Menge zu tun hat. Und erinnert nicht nur einmal an Roots-Drummer Questlove. Da lässt sich dann auch das kurze Santana-Solo des sonst sehr guten Gitarristen Alex Eckert überhören.

Mit Lena Geue als Gastsängerin hatte ich anfangs Probleme. Ihre hohe, sensible Stimme war mir zu weit weg von Hip Hop und Jazz. Doch ihre Coverversion von Minnie Ripertons “Inside my Love” hat mich mehr als versöhnt.

Eclectic Relaxation

Eine Woche Zeit hatten sich die acht Musiker genommen, um Midnight Marauders auseinanderzunehmen und neu zusammen zu stecken. Das Ergebnis war eindrucksvoll und beglückend – auf und vor der Bühne.

Wenn das eine neue Reihe werden soll, dann:

Keep bouncin’!