Timo, Timo Blunck gab sich die Ehre im Hafenklang. Diesmal mit dem ganz großen Gepäck: Solo-Album plus “Biographie“. Da will es einer “noch mal wissen” – nach Nahtod-Erfahrung im selben Raum vor drei Jahren, nach Palais Schaumburg-Revival, Zimmermänner-Auftritten, den Jungen-Spritzern und Social-Media-Omnipräsenz. Das titelgebende Video war perfekt: eine Mischung aus 80er-Ästhetik und geschmeidigem Groove – und der Einführung der künftigen Thronfolge.

Hatten wir nicht mal Pop in den 80ern?

Der Goldene Salon ist hübsch dekoriert, die Musik vom Band stilsicher ausgewählt: Orange Juice, Haircut 100, ABC, Style Council. All das, was die eigene Jugend besonders gemacht hat: die Befreiung vom Testosteron-Show Off in versifften Rock-Schuppen mit Gitarren-Soli und Blues-Riffs. (In der Folge gab es dann noch viel mehr (wieder) zu entdecken: frühen Hip Hop, Pet Shop Boys, House, Beach Boys, Detroit Techno, Steely Dan und UK Garage).

Müssen wir immer noch schreiben über die 80er?

Verlagsleiter Markus Naegle erklimmt die Bühne und beschreibt sein erstes Treffen mit Timo, Timo Blunck. Und beichtet dabei, letzterer sei ja Popper und er eben Rocker – was bei seiner Frisur völlig überraschte. Dann noch ein Hinweis auf die Kritik in der Spex – und nun: Timo, Timo Blunck. Zusammen mit der neuen Begleitband “Die jungen Spritzer”, inklusive Unterstützung durch seine Söhne, werden endlich die neuen Stücke dargeboten. 

Liebten wir nicht mal Disco in den 80ern?

Die Besetzung ist klassisch: Drums, Bass, Halbakustik- und Stratocaster-Gitarre. Und obwohl man damit recht unterschiedliche Sounds machen kann, fällt die Band hier oft zurück auf den kleinsten gemeinsamen Nenner “weißer” Musik: den Blues-Rock. Hier kommen sie schließlich doch zu ihrem “Recht”: Gitarren-Soli und Blues-Riffs – ohne Second Line oder anderer New Orleans-Würze. Und das wird den eleganten Songs des neuen Albums nicht gerecht – auch wenn es natürlich grundsätzlich mutig ist, neue Arrangements zu probieren. Mehr Bernard Edwards und weniger B.B. King sowie Carmine Appice hätten da schon geholfen – if you catch my drift.

Hatte er nicht mal Moves in den 80ern?

Und tatsächlich sind die Songs vom neuen Album guter POP. Da hört man durchaus die genannten Inspirationen, die eigene Vita und das spielerische Können eines Popstars. Bei aller Coolness, allem Narzissmus, allem Sarkasmus – hier sendet ein Romantiker. Ich bleibe dabei: Timo, Timo Blunck ist “unser” Pharrell Williams – mit den richtigen Moves. Was auch dieser Auszug aus dem Buch beweist: Wer John Lurie von den Lounge Lizzards im Studio 54 bezwingen kann, der hätte alle bezwingen können… Aber die Geschichte ist ja auch noch nicht zu Ende.

 

Links

Heyne-Lektor Oskar Rauch über die Arbeit mit Timo Blunck und dessen Roman

Timo Blunck auf tapete Records